Mittwoch, 24. August 2016

Inklusion?! und kindliches Spiel

Wir leben in Berlin, begegnen im öffentlichen Raum wahrscheinlich mehr Menschen mit Behinderungen, Beeinträchtigungen, Normabweichungen oder Krankheiten als uns bewusst ist und als es an einem anderen (ländlicheren) Ort der Republik der Fall wäre. 

Wir leben hier. Die Kinder wachsen hier auf. Hier lernen sie. Hier strömen tagtäglich eine Menge an Eindrücken auf sie ein. Diese wollen verarbeitet werden. Und dies geschieht im Spiel. Genauer im Rollenspiel. 

So erlebte ich öfters wie Krümelie ihre Augen schloss. Sie tastete. Lief. Fühlte. Streckt die Arme aus, um Hindernisse so zuerfassen oder nahm sich ein Stock und ließ ihn über den Boden gleiten. 

Sie trägt eine Brille - in der Gesellschaft ein anerkanntes Hilfsmittel. Im Straßenbild können wir viele Menschen damit ausmachen. Wir haben darauf geachtet. 

Doch blinde Menschen sind schon seltener.

Wir "halfen", nein, wir beschritten neulich gemeinsam mit einem blinden Mann den gleichen Weg. Er stand an einem Straßenbahnübergang. Auf unserem Weg zu eben diesem Übergang konnte ich erkennen, wie er mit seinem Stock nach Orientierungspunkten und damit nach dem richtigen Weg suchte. Ich fragte, ob ich ihm meinen Arm reichen dürfe. Die Kinder, ich und der Mann kamen ohne Probleme auf die andere Seite der Gleise. Er hat sich für die Mühe, die keine war, entschuldigt. 

Krümel in meinem Arm schaute. Krümelie fragte lediglich wohin der Mann ginge und welchen Weg wir einschlagen würden. 

Ich bilde mir ein, mit Sicherheit sagen, kann ich es jedenfalls nicht, dass sich Krümelie mit dem "Nicht-Sehen" bereits spielerisch beschäftigt hat, sodass sie zu dem Mann keine Fragen hatte. Er war nicht außergewöhnlich. 

Würden wir im Alltag mehr Menschen erleben, die x-mal anders sind, würde sich "Anders-Sein" im kindlichen Spiel wiederspiegeln, würden wir Hilfsbereitschaft und Schwächen nicht als persönliche Last empfinden, dann ...

... bräuchten wir keinen Praenatest... bräuchten wir keine halbherzigen Gesetze, Kommissionen und Beauftragten... bräuchten keine Aktivisten... 

Wir brauchen nur spielende Kinder, die erleben, dass Menschen verschiedenen und trotzdem gleichwertig sind. 

Kommentare:

  1. Liebe Anne mit Familie, ihr habt ganz genau beobachtet, das finde und ich ganz toll! Deinem letzten Satz kann ich mich nur voll und ganz anschließen. Auch mit"Behinderung" ist man gleichwertig, allein schon aus dem Umstand heraus, dass man ein Mensch ist
    Dies bedeutet weiterhin, dass man auch als Mensch mit Handicap absolute Lebensberechtigung hat.
    Grüssle an alle Deine Lieben, Barbara

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    1. Liebe Barbara,
      ich weiß von einigen Versuch und nun hat es geklappt. Vielen Dank für deine Worte.
      Ich möchte dem gar nichts hinzufügen und sende Grüße!
      Herzlichst Anne

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