Mittwoch, 6. April 2016

Was willst du mal werden, wenn du GROß bist?

Ich finde diese Frage sche***. 
Was ist mit Kindern, die nicht wachsen? Nur, wenn du groß bist, kannst du etwas werden? Größe bedeutet nicht gleich Können. Wachstum ist keine Leistung. Da werd ich echt grantig. (Und denke an die Delikatessen-Mama)

Ich schätze, diese Frage entstand auf der Basis, dass Kinder kleiner sind als Erwachsene. Mit der Entwicklung und dem Wachstum werden aus Jungen und Mädchen eben Männer und Frauen, die zur Arbeit müssen, im besten Fall Verantwortung übernehmen und dann vielleicht selbst Familien gründen. 

Im Erwachsenenalter lautet die Frage dann: "Wo sehen sie sich in 5 oder 10 Jahren?". Weiterentwicklung ist ein hohes Gut. Und der Fragende äußert sie meist mit einer Erwartung. Im Bewerbungsgespräch wird die Bereitschaft, eventuell Familienplanungsabsichten und damit die Attraktivität des Bewerbers abgeklopft. Bei Kindern ist es nicht anders. Will sich der junge Mensch zu einem brauchbaren Teil der Gesellschaft entwickeln? Wie würden wir schauen, was würden wir denken, wenn ein Kind antworten würde: "Ich werde Seeräuberin.", "Ich werde nie arbeiten und reise ständig." oder "Nein, ich werde nicht groß."? Kommt auf das Alter an, ganz klar, aber ein bisschen wundern und "Ja, ja" denken, würden trotzdem die Meisten. 
Ich werde meinen Kinder nie diese Frage stellen. Ich will ihre Vorstellungen vom Erwachsensein nicht erfragen. Vielleicht erzählen sie es mir. Vielleicht auch nicht. 
Sie leben im Hier und Jetzt - der Sohn mit seinen 14 Monaten noch mehr als seine Schwester. 
Meine fast vierjährige Tochter hat Ideen. Sie schmiedet Zukunftspläne. Sie will Seeräuberin werden. Sie ist schlau. Sie will jetzt ein Schulkind sein. Zahlen und Buchstaben macht sie sich vertraut. Wie schön, dass sie Lesen, Schreiben und Rechnen lernen kann, dann kann sie den Weg besser finden. So denkt sie. Was sie mit ihren Möglichkeiten dann wirklich anfängt, wird sich zeigen. 

Was will ich ihre Fantasie jetzt schon in eine Bahn lenken? Was will ich Unbekanntes hinterfragen? Impliziert es nicht auch, dass aus den Kindern etwas werden soll? Muss? Weil kein "nützes Mitglied der Gesellschaft"-Sein, ist keine Option? 
Und was für Große sollen sie eigentlich sein/werden? 
Erwachsene, die Entscheidungen treffen können, die sich ausprobieren, es nochmal versuchen bei Rückschlägen? Oder Bäcker, Abgeordnete*r, Krankenpfler oder Börsenmakler*in? Sind Eigenschaften nicht wichtiger als Beruftsbezeichnungen? 

Am Rande sei erwähnt, dass ich mir dieses Erwachsensein spaßiger vorgestellt habe. Ich muss mich um Versicherungen, Steuererklärungen und Rechnungen kümmern. Ich müsste spätestens um 22:00 Uhr im Bett sein, sonst bin ich beim Aufstehen gerädert. Ich habe gar nicht so viel Zeit für Freund*innen. Ich kann öfters keine Verabredungen treffen, weil die Kinder krank sind oder einfach andere Bedürfnisse haben. Von den Kindern abgesehen, gibt es Dinge, die gemacht werden müssen, weil es gesünder, sauberer, schneller, gewinnbringender oder vorteilhafter (nicht in der Bahn schreien, zum Beispiel) ist, weil Erwachsensein nicht frei von Aufgaben, Verantwortung und Regeln im Miteinander ist. 
Und DAS hatte ich mir als Kind irgendwie anders vorgestellt. 

Was denkst du? Was ist das? Warum? Ich stelle den Kindern, egal ob meine oder andere einfache ihre Fragen. Vielleicht erfahre ich dabei, wo sie sich im Erwachsenenalter sehen... 

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