Donnerstag, 31. März 2016

'Gedanke des Tages' Nummer 1: im Sprachgebrauch

Ich fahre mit der Tram durch Pankow. 
Pankow ist einer von Berlins "guten" Bezirken. So die landläufige Meinung. 
Drei Jungen steigen ein. Sie reden laut. Sind vielleicht zwischen 12 und 14 Jahren. Sport ist ihr Thema. 

Laut und deutlich höre ich drei Reihen weit weg: "Ey, Alter. Bist du behindert, oder was?". Ich vernehme: "Mann, Alter, bist du ein bisschen behindert?", "Du Spast, Alter, ey." und "Das stinkt doch". 

Ich setze mich mit den Themen "Behinderung, Inklusion, Normalität" auseinander. Mag sein, dass ich deswegen sensibel bin. Mag sein, dass es mich früher nicht gestört hätte. Mag sein, dass es sonst drei wohlerzogene Jungen sind. 

Heute genau in dem Moment frage ich mich: Was soll werden, wenn so miteinander gesprochen wird? Was soll werden, wenn Behinderung ein Schimpfwort ist? Was soll werden, wenn scheinbar menschliche Schwäche - ob das Unwissen beim Sportthema der Jungen oder eine Beeinträchtigung eines Menschen,der wirklich behindert ist - denunziert werden muss? 

Ich spreche sie nicht an. Ich sage nichts. denke nur. Ich fahre mit der Tram durch Pankow. 

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