Dienstag, 15. Dezember 2015

Mutterschaft, Familienglück und Ullrich-Turner-Syndrom

Für den Abend des 14.Dezember wurden "Sternschnuppen" vorausgesagt. Wird eine erspäht, kann sich etwas gewünscht werden. Es klingt so leicht. Doch manche Wünsche brauchen mehr als Sternschnuppen. 

Ab und zu wird mir das Herz schwer. Ich schaue mein wunderbares Kind an, wie sie liebevoll ihre Puppe Bara stillt. Wie sie sich um sie kümmert. Wie sie erzählt, dass in ihrem Bauch ein Baby gewachsen ist. 

Ich war ein Einzelkind. Mein Mann auch. Wir wollten beide kein Einzelkind. Es war also schnell klar, dass wir zwei Kinder möchten. Und, dass wir überhaupt Eltern sein wollen. Gemeinsam. Eine mir helfende Frau sagte einmal zu mir: "Sie haben auch Liebe für Vier.". Sie hat damit einen Samen gesetzt. Ich hätte gerne noch ein bzw. zwei Kinder. 

Das wir überhaupt ein Baby bekommen haben, war zum Anfang gar nicht so selbstverständlich. Es wollte einfach nicht klappen, obwohl wir beide Anfang Zwanzig waren. 
Erste Tests waren gemacht. Die Bedingungen nicht ideal, aber alle Zeichen deuteten auf machbar. Mittlerweile haben wir zwei Kinder. Vielleicht die Hälfte. Vielleicht genug. Ich weiß es nicht. 

Worauf ich hinaus will. Ich kenne dieses Gefühl "Kinder zu wollen" und eine gefühlte Ewigkeit keinen Erfolg zu haben. Diese neidvollen Blicke auf Schwangere. Dieses Unverständnis, wenn Kinder getötet oder verletzt wurden und die Meldungen in den Nachrichten kamen. Ich kenne diesen von Innen kommenden Kinderwunsch. 

Mein Wunsch hat sich erfüllt. Doch für Krümelie lässt er sich nicht so selbstverständlich erfüllen. Sie wird nicht einfach selbst entscheiden können. Unter'm Strich und ganz platt ausgedrückt, beteutet "UTS haben" auch: "Ohne Eizellen keine eigenen Kinder". Sicherlich gibt es mittlerweile Mittel und Wege. Anfang des Jahres veröffentlichte ich dazu einen Erfahrungsbericht von Daniela, die ihr Mutterglück über eine Eizellenspende fand.
Wenn Krümelie eigene Kinder möchte, die körperlichen Bedingungen es zu lassen, würden wir sie unterstützen, sodass sie ihre Möglichkeiten ausschöpfen kann. 



Eine Freundin meinte zu mir, wie schön es sei, dass das zweite Baby ein Junge geworden ist. Welch Glück. Er wird keine Kinder gebären. Und ich sollte keine weiteren Kinder bekommen. Es könnte ja nochmal ein Mädchen werden, was dann wächst, größer und schwanger wird. 

Zum Einen finde ich es schwierig mein Glück vom UTS bestimmen zu lassen. Zum Anderen möchte ich, dass auch das imaginäre dritte (weibliche) Kind und Krümelie eine gute Verbindung haben. 

Unerfüllter Kinderwunsch ist ein emotionales Thema und kann schwer belasten. 

Es kann. Muss es aber nicht. Es wäre wünschenswert und unproblematischer, wenn Krümelie entscheiden könnte, ob, wann, wie sie Kinder auf die Welt bringt. Ich bin davon überzeugt, dass eine Familie mehr ist als Mutter, Vater und leibliches Kind. Das zwei Menschen, die sich lieben, auch eine Familie sein können, wenn sie es wollen. Und obwohl es egal ist wie ein Kind in die Familie kommt, durch Pflegschaft, Adoption oder Geburt, es braucht Kinder für Elternschaft. 

Wir reden jetzt noch nicht mit unserer Tochter darüber. In mir kam das Thema schon öfter hoch. Krümelie, die vorzeige Puppenmama, wie wird es für sie sein?
Doch in gewisser Weise fand es jetzt zufällig in unser Bücherregal. 




Das wunderschöne Buch "Der Junge, der von den Sternen kam" kauften Krümelie und ich auf der Berliner Buchmesse. Die sehr sympathische Aquarellmalerin sprach uns an und erzählte uns die Geschichte von dem traurigen Jungen auf dem weitentfernten Stern. Er konnte sich alles zum Zeitvertreib wünschen. Das Spielzeug erschien, wenn er es wollte. Doch er war einsam. Mit einem Zauberroh entdeckte er dann die Erde und weihnachtliche Stimmung in Häusern. Nur in einem herrschte keine Ausgelassenheit. Der Mann und die Frau dort waren traurig, weil sie keine Kinder hatten. Der Sternenjunge sollte das aber ändern. 



Ein Kind kann auch auf anderem Wege aus zwei Liebenden Eltern machen. Und Kinder sind ein Geschenk. Ebenso wie Liebe. Und beides ist nicht selbstverständlich. Das Buch bietet uns eine Gesprächsgrundlage. Und berührt mich. Ich glaube Krümelie hat das gespührt. "Was macht der Sternenjunge?", fragte sie mich. Es war keine übliche Warum-Frage. 
Vielfältige Familienformen. Zwei Mütter, zwei Väter, verschiedene Erziehungspartner und Familienerweiterungen durch selbstgewählte Familienmitglieder wie Patentanten, Leihomas und Freundinnen. Familien entstehen. Ich hoffe, dass meine Kinder, ob diese zwei oder vielleicht doch irgendwann mehr, passende und glücklichmachende Familienkonstellationen finden.  

Ich wünsche mir, dass Krümelie nicht krankmachend mit ihrem Schicksal hadert. Ich hoffe, wenn Krümel Vater wird, dass Krümelie sich mit Freuen kann. Ich hoffe, dass sie als Erwachsene auch so herzhaft gemeinsam Lachen können, wie jetzt. 

Ergänzung 
Wir schreiben mittlerweile das Jahr 2016. Die Themen "Kinderwunsch", "Schwangerschaft" und "Familienplanung" sind in aller Munde. Im Privaten ebenso wie im Netz. Ich möchte mit diesem Post an der Blogparade von Mama on the rocks teilnehmen. Ich möchte betonen, was mich dabei bewegt.

Eine Frau mit UTS sagte einmal sehr treffend zum Kinderwunsch-Thema: "Ich hätte gerne die Wahl gehabt." Für sie war klar, dass sie keine Kinder gebären kann. Sie konnte nicht entscheiden. Eine Kinderwunschbehandlung ist sicher kein leichter Weg, aber es ist ein Versuch, der unternommen werden kann. Es ist eine Entscheidung, die getroffen werden kann. 

Unsere Familienplanung ist noch nicht abgeschlossen. Und ich bin dankbar dafür, dass wir die Wahl haben. 

Herzlichen Glückwunsch an alle Schwangeren. Herzlichen Glückwunsch an alle, die ihre passende Form der Familie gefunden haben. 

Kommentare:

  1. Liebe Anne, der Text hat mich sehr berührt. Ich hoffe, Krümelie kann sich mit ihrem Bruder freuen und findet,in welcher Form, auch ihr Familien- und Mutterglück. Mit so tollen Eltern an ihrer Seite wird sie ihren Weg gehen!
    Alles Liebe
    Karin

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Karin, dank dir. Ich wünsche es mir. Es wäre so Schade sonst und würde sie viel Lebensenergie kosten.
      Wir gehen auf jeden Fall gemeinsam.
      Viele Grüße Anne

      Löschen