Montag, 23. November 2015

Kinder haben Rechte!!!

Mit Begeisterung habe ich am Vorlesetag (20. November) in der Kindergartengruppe von Krümelie vorgelesen. Gespannte Zuhörer, Kinderlachen und aufgeregtes Gewusel begleiten meinen Besuch. Manch einer mag lautes Vorlesen nicht. In einer Gruppe von Erwachsenen würde sich meine Begeisterung auch in Grenzen halten, aber (diese) Kinder sind ein tolles Publikum.   
Der 20. November stand aber nicht nur im Zeichen des Vorlesens. Vielmehr war auch der bundesweite Aktionstag für Kinderrechte. Bei Radio Teddy (ein Kinderradio) wurde berichtet, dass Kinder Rechte haben und, dass gefordert wird, dass diese Rechte auch ins Grundgesetz kommen. Wir hörten dies nun im Radio und Krümelie fragte, was das bedeutet. Wieder einmal bin ich begeistert von meiner Tochter, von ihrem Wissensdurst und ihrem Nachfragen zu einem spannenden und vor allem wichtigen Thema. 


Kinder haben Rechte! 

Ich erklärte Krümelie, dass für alle Leute, die Menschen Rechte gelten. Für Kinder gibt es nochmal spezielle. Das ist festgeschrieben. Sie haben ein Recht auf Spielen. Sie müssen nicht arbeiten. Sie dürfen sich Bücher anschauen und sich bilden. Das Recht auf Bildung ermöglicht es ihnen in die Schule zu gehen. Und das möchte Krümelie sehr gerne. Sie will lesen und schreiben lernen. Rechnen nicht so. Aber darum geht es hierbei nicht. Kinder dürfen also etwas und sie sollen beschützt werden und Essen bekommen, erkläre ich weiter. "Alle Kinder?", fragt Krümelie. Eigentlich müssten für alle Kinder, egal wie sie aussehen oder wo sie herkommen, diese Rechte gelten. Ich schwenke um. Krümelie ist erst 3 Jahre und 5 Monate. Ich will nicht zu viel erklären. Wir hören am Tag ab und zu Radio und abends fragt mich Krümelie, was den nu mit dem Grundgesetz sei. Im Grundgesetz stehen bis jetzt nur Sachen drin für Erwachsene. Wären die Kinderrechte im Grundgesetz verankert, wäre ihre Gewichtung und Beachtung bei Entscheidungen stärker. Zum Beispiel, wenn überlegt wird etwas zu bauen - ein Spielplatz oder ein Parkplatz. Die Wünsche der Kinder müssten dann mehr berücksichtigt werden. Kinder haben Bedürfnisse und Fähigkeiten, die wir als Erwachsene (manchmal) vergessen haben. So würden wir uns besser erinnern, antworte ich.  
"Na, super!", sagt Krümelie.

Das Gespräch ist an dieser Stelle beendet. Ob ich jetzt adequat geantwortet habe, sei dahin gestellt. Die Antwort von Krümelie war auch eher kryptisch. Ob sie mit Ironie und Sarkasmus schon etwas anfangen kann. Meine Überlegungen gehen in verschiedene Richtungen weiter. Sie spinnen ein Netz. 
Abfotografierter Flyer von Unicef 

Schutz von Kindern

Ein Kind hat Rechte ab dem Zeitpunkt seiner Geburt. Ich frage mich, ob eine weitere Bestärkung der Kinderrechte durch die Aufnahme ins Grundgesetz einen Einfluss hätte auf die Pränataldiagnostik. Hat ein Kind im Mutterleib nicht auch ein Recht auf Gesundheit? Auf Betreuung bei Behinderung? Auf Schutz? Mir erscheint sowohl das Pro als auch das Contra für "Recht ab der Geburt" schlüssig. Ich will auch keiner Schwangeren ihre Rechte absprechen. Und schon gar nicht würde ich über Abtreibungen urteilen wollen. Mir geht es lediglich darum, dass eine Gesetzesverankerung eine weitere Stütze böte für Aufklärung und eine Schwächung der kostenpflichtigen "Nicht Invasiven Pränatalen Tests - NIPT". ("Die rotten uns aus.", kommt mir dazu in den Sinn. Mit "uns" sind Mädchen und Frauen mit UTS gemeint, deren Existenz diese Tests in Frage stellen.) Bereits ein Ungeborenes hat ein Recht darauf wahrgenommen zu werden. 

Die Kinderrechte wurden festgeschrieben, um Kinder und Jugendliche zu schützen, zu unterstützen und zu stärken in ihrer Teilhabe. Ihnen werden also von der Gesellschaft annerkannte und festgeschriebe Berechtigungen zugesprochen. Ihnen soll der Rücken gestärkt werden. 

Neulich sagte meine Mama, dass geteiltes Glück doppeltes Glück bedeutet. Geteiltes Leid ist jedoch auch doppeltes Leid. Weil der Mut verloren geht, sagt sie. Ich empfinde das als sehr treffend. Kinder haben Rechte. Es gelten die Menschenrechte. Und obwohl ich nicht alle kenne, ist es von großer Bedeutung und auch ein bisschen Glück, dass wir sie haben. Und das sollte durch TEILEN vermehrt werden. 
#bloggerfuerfluechtlinge ist ein gutes Beispiel dafür. Wir teilen und vermehren das Glück bzw. bestärken die Rechte der Kinder und schützen sie und unser aller Zukunft. 

Wer sich eingehender mit den Kinderrechten befassen möchte, findet beim "Deutsches Kinderhilfswerk e.V." Informationen und Materialien und Projekte . Und natürlich auch bei Unicef

Eine interessante und informative Sammlung zum Thema, angestoßen durch den "Mutterskuchen"-Podcast "Kinderrechte – Wir sind alle frei geboren", findet sich auch auf dem Blog "Grosse Köpfe". 

Die Kinderrechte gelten im Familienleben und eben ab der Geburt. Und besonders in den jungen Jahren bedürfen sie unseres Schutzes. 

Ambiguitätstoleranz 

Kinder haben Rechte; festgeschriebe und jene, die ich für mich bzw. wir für uns formulieren. In manch einem Punkt fassen die Kinderrechte in Worte, was für uns selbstverständlich ist. Wir lieben unsere Kinder. Sie sind willkommen und geliebt. Niemand muss uns sagen, dass wir als Eltern für sie sorgen sollen und dies gewaltfrei. In anderen Punkten müssen wir uns doch eingestehen, dass es nicht immer leicht und selbstverständlich ist die Rechte der Kinder zu wahren. 

Unsere Kinder haben einen Anspruch darauf, dass wir ihnen vertrauen. Sie haben ein Recht auf Selbstbestimmung, Gleichheit und Mitbestimmung. Und das bedeutet, dass wir es aushalten müssen, dass wir als Erwachsene nicht immer abschätzen können, was passieren wird. Wir müssen diese Ungewissheit, das Kribbeln im Bauch, aushalten. Bei Krümel bedeutet das aktuell, dass wir seinen Bewegungsdrang nicht bremsen. Unermüdlich wird sich hochgezogen und umgeplumst und geklettert und gestolpert. "Fallen will gelernt sein.", heißt es so schön. Doch manchmal fordert es mich das Fallen zuzulassen. 

Ein anderes tägliches Beispiel heißt "Schrippe aufschneiden und schmieren". Wenn Krümelie mit dem Messer hantiert, muss ich öfters schlucken, weil sie dem Brötchen so zusetzt. Ruckartige Bewegungen und das abrutschende Messer lassen blutige Bilder in meinem Kopf aufblitzen. Aber wir lassen sie. Die massakrierte Mageriene erwähne ich jetzt nicht weiter. Dafür, dass Ktümelie ihr Brötchen alleine macht, werden wir regelmäßig mit lustigen Begebenheiten belohnt. So landete kürzlich Mageriene im Wasserglas. Sie wurde hinein gehebelt.

Unsere Kinder sind nicht unser Eigentum. Es ist unsere Aufgabe sie und ihre Ansprüche wahrzunehmen und im Kontext abzuschätzen und im Sinne aller zu entscheiden. 
Die Selbstständigkeit, der Bewegungsradius von Kindern muss wachsen. Und trotz unserer Befürchtungen müssen wir sie wachsen lassen. Wir müssen einen Rahmen und Möglichkeiten schaffen. Wir als Eltern im Kleinen, weil wir Klettern lassen oder Messer in Kinderhände geben. Weil wir vorlesen und unsere Kinder dabei lernen. Aber auch im politischen Bereich muss sich für Kinder stark gemacht werden. Kindergeräusche im öffentlichen Raum müssen erlebt, Spielplätze gebaut, Freizeitangebote ermöglicht werden und die Welt muss einfach kinderfreundlicher sein. 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen