Dienstag, 14. Juli 2015

Wissen ist mächtig (NIPT inspiriert)

Ich bin unzufrieden. So viel schwirrt durch meinen Kopf und findet keinen Weg auf das virtuelle Papier. Ich stoße an meine Grenzen und stelle fest, dass ich einfach keine professionelle Schreiberin bin. Erschwerdend kommt mir das Leben dazwischen. Ich bin dann nicht bei der Sache. Manchmal bin ich einfach zu müde und mein Hirn fühlt sich dann an wie Pudding. Keine klar strukturierten Sätze, kein tiefgreifender, gut recherchierter und fundierter Text. Wissen ist mächtig schwierig. 

Der Kopf sagt, dass jedem seine Meinung zusteht. Jeder kann nach seinem Denken entscheiden und so leben, wie er will. Natürlich soll niemand verletzt werden, gedemütigt oder in sonst einer Art leiden müssen. Schon gar kein Kind. 

Es nervt mich. Ich habe eine Ansicht und will meine Meinung in die Welt hinaus schreien und besonders das Herz will kein Aber erleben. Ich will, dass niemand denkt, dass das Ullrich-Turner-Syndrom eine Abartigkeit ist. Ich will nicht, dass es ein Abtreibungsgrund ist oder sein könnte. Ich will nicht, dass es getestet wird. Ich will, dass eine Schwangere schwanger ist. Punkt. 
Ja, der medizinische Fortschritt ist prima. Wir profitieren alle davon. Aber müssen diese Bluttests sein? Reicht der Organcheck nicht? Passieren kann immer etwas. Ein Baby sollte freudig erwartet werden, nicht ängstlich untersucht. 
So. Erneut: Punkt. Das ist so. Keine Wiederrede. 

Weil ich so schön dabei bin, geht es weiter. Nein, wir reden nicht über Schwächen, Förderbedarf oder Defizite, wenn es um Kinder geht. Nein, machen wir nicht. Wir benennen es anders, reden um den heißen Brei und gucken doch genau dahin. Weil wir uns als Eltern um unsere Kinder sorgen. Und die Gesellschaft, die im Fall des Falles mit zur Verantwortung gezogen wird, schaut mit ihn. 
Warum brauchen wir Kampagnen, Initiativen, Vereine oder Veranstaltungen, um auf eigentlich selbstverständliches - die Vielfalt des Lebens - aufmerksam zu machen? Inklusionsnetzwerke, Petitionen für Gesetzesänderungen, Aufschreie - warum muss das sein? 

Wir als Eltern wissen, dass unsere Kinder der Oberkracher und mega geil sein. Die anderen Menschen sollen das auch sehen. Und späteren Problemen soll vorgebeugt werden. Also machen wir uns Gedanken über die Zukunft? Wie kann ich dies oder jenes fördern? Wie kann ich mein Kind optimal unterstützen? Warum muss ich mir Gedanken machen, wie ich meinen Kindern verdeutliche, dass jeder Mensch individuell, besonders und anders ist. Das liegt in der Natur der Dinge. Das ist aber auch nichts schlechtes. 

Und bitte korrigiert mich, aber das zieht sich doch durchs ganze Leben. Der Bluttest heißt dann Schuleingangsuntersuchung. Dazwischen gibt es die U-Untersuchung und später heisst es dann Bewerberauswahlverfahren. Und immer wieder wird gesiebt. Die Qualitäten, das Potenzial und mögliche Probleme werden abgecheckt und anormales, anderes oder unpassendes wird aussortiert. Für den Fortschritt. Oder was? 

Ich bin nicht kirchlich oder werde von meinem Glauben getragen. Aber ich denke, dass es eine natürliche Ordnung gibt und wir mehr Vertrauen in die Natürlichkeit haben sollten. Kinder entwickeln sich, genauso wie Arbeitnehmer, wenn wir sie lassen.  

Wissen ist Macht. - so heißt es doch? Wissen ist mächtig. Wieviel Informationen muss mein Gegenüber von mir haben? Wieviel muss eine Schwangere wissen? Wieviel Bewertungen braucht ein Kind? Wieviele Etappen braucht es, um einen Menschen und seine Arbeitsfähigkeiten kennen zulernen? Wieviel Spielraum haben wir? 

Ich schreibe über die Anfänge. Schwangerschaft und Kinderzeit - das ist lebensnah im Moment. Ich will Normalität zeigen. Manchmal auch Banalität. Aber ich will mehr. Ich will mehr wissen. Mehr erfahren. Erleben. Ich will mehr Vielfalt und Inklusion. Mehr Banalität im Unterschied. Und niemand soll Aber sagen (auch nicht mein Verstand).

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