Montag, 18. Mai 2015

philosophische Behinderung - oder - wie, bitte?

Da will ich in aller Ruhe am Montagmorgen ein bisschen lesen. Und dann das...

Bei "DIE WELT" lese ich: 
Ein Mann meint, dass Neugeborene, die behindert sind, nicht leben müssen. Sie sollten bis zu 28 Tage nach der Geburt getötet werden können. 
Elemeniert sozusagen.
Beim Weiterlesen des Onlineartikeles erfahre ich, dass die Menschheit nicht die Spitze der Schöpfung ist. 
Soweit so gut.
Auch, dass der Philosoph sich für die Rechte von Tieren einsetzt, wird erwähnt.
Doch die Informationen helfen nicht den Krampf in meinem Magen zu lösen.

Wie immer fühle ich mich angesprochen, wenn es um Behinderung, Lebenswürdigkeit, die Definition dessen und den Umgang damit, geht.
In meinem Kopf ploppen die altbekannten Fragen auf. Was ist Behinderung? Wer definiert das, wie? Wie lässt sich bei einem Ungeborenen oder einem Neugeborenen sagen, wie sich sein Leben gestalten wird? Welche Maßstäbe gibt es für die Qualität eines Lebens?
Es wurde eine reißerische Aussage getroffen. Mich würden auch die Beweggründe interessieren.

Mein persönlicher Bezug begründet sich durch Krümelie. Ich habe bereits über pränatale Behinderung geschrieben. Und ich bin davon überzeugt, dass allein das Ullrich-Turner-Syndrom bzw. die Monosomie oder Veränderung der Geschlechtschromosomen nicht behindert macht. Ich meine auch, dass Auswirkungen des UTS einschränken und Hilfe nötig machen können. Manchmal muss man sich auch nur zu helfen wissen.
Doch die Lebenswürdigkeit stelle ich nicht in Frage. Conny hatte das auch sehr treffend beschrieben. Hier nochmal nachzulesen.
Ein Gedanke dabei ist, dass die Qualität des Lebens von den Menschen abhängt, die uns umgeben, schätzen und lieben, wie sie unseren Alltag bereichern, uns unterstützen und gegebenenfalls pflegen. 

Besagter Mann begründet seine Aussage wohl damit, dass behinderte Babys keine Selbstwahrnehmung hätten und somit keine Personen seien. 
Mein erster Überlegung war: vielleicht keine Personen; aber Persönlichkeiten. Er meint wohl geistigbehinderte Säuglinge. Doch auch dann dreht sich das Gedankenkarussel. Vorallem - wie lässt sich das beurteilen; so kurz mach der Geburt? Lässt sich eine Entwicklung immer absehen?  
Mein innerer Aufschrei wird jedoch durch ein kleines ABER leiser. Wenn ich an Kabel und Schläuche, Unmengen von Medikamenten, piepende Monitore denke und künstlich am Leben gehaltende Neugeborene, die aussehen, wie aus dem Nest gefallende Vögelchen. 


Pauschale Be- und Verurteilungen sind der falsche Weg. 
Eine wohlwollende und willkommenheißende Einstellung dem Neugeborenen gegenüber und dann deferenzierte Entscheidungen treffen... 

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