Dienstag, 24. März 2015

Über Bluttests und Hebammen

Gedankenwirrwarr. 


Seit Tagen versuche ich nun schon adäquat auf dieses eine Kommentar zu reagieren. Berührt es mich doch so. Es geht um pränatale Selektion. Und darum, was es für ein Signal setzt, dass mittlerweile über "einfache" Bluttests eine Überprüfung auf Lebenswürdigkeit stattfinden kann. Hinzukommt, dass ich bei der Recherche dazu einen Gedanken hatte. 
Nein, dieser Post ist nicht wohldurchdacht. Ich stelle meine Überlegung trotzdem in den Raum.
Ich frage mich, ob die Weiterentwicklung der Pränataldiagnostik mit der Abschaffung der Hebammen zusammen hängt?

Da treffen zwei Welten aufeinander. Deutschlands Krankenkassen tragen dazu bei, dass die Hebammen abgeschafft werden. Das gesparte Geld wird dann scheinbar in die Aussortierung des "genetischen Mülls" investiert. Kann das sein?

Ich finde schon keine Worte für die Situation der Hebammen. Ich bin sehr froh, dass ich meine Kinder mit Hebammenbetreuung gebären konnte. Und ich schätze es sehr, dass ich die Frau, die uns im Wochenbett betreut hat, vorher kennenlernen konnte. Es bereitet mir unbehagen, wenn ich mir vorstelle, dass sonst drei Tage nach der Entbindung eine wildfremde Frau zu uns nach Hause gekommen wäre. Auf dieser (fehlenden) Basis hätte ich keine Sorgen und Freuden mit ihr teilen können.

Wenn ich mir jetzt vorstelle, dass die gesparten Ausgaben dafür genutzt werden, dass Schwangere kostenfrei ihr Ungeborenes überprüfen lassen können, könnte ich weinen. Da kann ich nur den Kopf schütteln.

Besagter Bluttest kann ab der 10ten Woche gemacht werden. Im Einzelfall, aber immer häufiger , so "wirbt" selbst der Anbieter, trägt die Krankenkasse dafür die Kosten. Sonst kann zumindest ein Zuschuss bei der Krankenkasse angefragt werden.
Das Argument schlechthin ist, dass das Verfahren nicht invasiv und somit risikoloser ist. Liegt anschließend eine Auffälligeit vor, wird jedoch genau zu diesen invasiven Untersuchungsmethoden geraten. Würde ein Ultraschall dann nicht reichen?

Für fast 600 bis fast 900 Euro kann ein Wunder der Natur auf seine Fehler (Chromosomenstörungen und die Fehlverteilung der Geschlechtschromosomen) hin untersucht werden. Die Geschlechtsbestimmung kann optional dazu "gebucht" werden.

Man könnte denken, dass es gut investiertes Geld sei. Eltern brauchen keine Hebammenbetreuung,  weil sie sich glücklich schätzen können, dass sie Dank des Testes wissen, dass sie ein gesundes Baby bekommen werden.

Böse weitergedacht: Paare, die sich gegen ihr Ungeborenes entscheiden, weil der Test ein Ergebnis brachte, entscheiden sich gegen mögliche Kosten.
Bei unzureichender Beratung (weil das zu wenige Personal keine Zeit und Qualifikation hat, weil Kosten eingeschränkt werden mussten)  fällt die Entscheidung für eine Abtreibung wohl leichter in der zehnten als in der zwanzigsten Schwangerschaftswoche. 
Warum? Mit voranschreitender Schwangerschaft wächst die Freude und einige unsichere Fragen können geklärt werden. Einzigartige Momente wie der erlebte Herzschlag, erste Bewegungen und der wachsende Bauch schaffen eine Bindung zum Baby. Jenes Baby des Anfangs - der neunten Woche - ist noch so unwirklich.  Unzureichende Beratung und das auffällige Ergebnis eines nicht-invasiven Bluttests können zur "Beseitigung des nicht liebenswürdigen/ lebensfähigen Zellhaufens" führen.

Die erweiterten Möglichkeiten der Pränataltests begünstigt die Ausortierung von Menschen.

Anscheinend bringt der Bluttest früher und sicherer ein Ergebnis. Damit dann entschieden werden kann, will ich zum Beispiel eine Tochter mit Ullrich-Turner-Syndrom... Muss das sein? So ein Baby? Ich sage ganz klar: JA. Aber einfache und frühe Testmöglichkeiten machen es leichter sich gegen das Ungeborene zu entscheiden.

Mehr Hebammen und weniger Tests!
Mehr Freude über ungeborenes Leben!
Weniger Überprüfung und Angst! 
Mehr Menschlichkeit! 
Mehr Recht auf Leben!
Das wünsche ich mir... 

Kommentare:

  1. Hallo! Meine Schwester hat ebenfalls das UTS. Als meine Mutter das heraus gefunden hat, war meine Schwester fast 17. Bis dahin haben wir uns kaum Gedanken gemacht, sind wir doch alle recht klein in unserer Familie und so eine Periode kann sich auch mal Zeit lassen. Unserer Mutter kam es irgendwann doch seltsam vor, dass die Pubertät so gar nicht einsetzen wollte und hat im Internet recherchiert. Als sie fündig wurde und der Gentest das UTS bestätigte, las sie sich weiter in das Thema ein und entdeckte, dass UTS ein Grund für einen Schwangerschaftsabbruch sein kann. Das hat sie zu tiefst verstört, allein der Gedanke, dass sie damals vielleicht hätte abtreiben können, wenn sie einem Test gemacht hätte, dass meine wunderbare, lebensfrohe, intelligente, warmherzige Schwester unsere Familie nicht vervollständigt hätte, war so furchtbar, es hat ihr beinahe das Herz gebrochen. Wir sind sehr froh, dass damals kein Test gemacht wurde, und auch dass sie unbeschwert aufwachsen konnte.

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    1. Hallo, es ist schon, dass deine Schwester da ist und auch, dass sie unbeschwert aufwachsen konnte. Seit froh darüber, alle zusammen. Ich wünsche euch alles Gute.
      Anne

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