Mittwoch, 18. März 2015

Talente und Begabungen

Vom Können und Wollen und der Zukunftsperspektive

Ich wünsche mir nur das Beste für Krümelie. Sie soll selbstbewusst, selbstbestimmt und mit Freude ihren Weg im Leben gehen. Als ihre Mama mache ich mir Sorgen, dass sie dabei ins Straucheln kommt, weil sie UTS hat. Vielleicht wird sie gehänselt wegen ihrem Äußeren. Vielleicht wird sie unterschätzt wegen ihrer Größe. Vielleicht hat sie gesundheitliche Probleme oder einen unerfüllten Kinderwunsch. 

Mir ist es ein besonderes Anliegen, dass Krümelie ihre Talente und Begabungen findet und verfolgen kann. Im Austausch mit betroffenen Frauen wurde mein Wunsch immer bestärkt. Besonders beeindruckt hat mich die Aussage von Tanja: "Dort im Theater und auf der Bühne redet niemand vom Ullrich-Turner-Syndrom, sondern alle nur davon, dass diese kleine Person auf der Bühne eine tolle Stimme und mächtig Talent hat.(Seite 99 im X-MAL ANDERS-Buch)". Tanjas Lebensfreude kommt von der Musik. Sie findet Trost durch ihren Gesang. Auftritt und der Applaus haben ihr Selbstvertrauen gestärkt. Andere Frauen berichteten, dass sie stolz waren etwas beim Sport geleisteten zu haben. Im Schwimmverein zum Beispiel wurde dann auch gleichzeitig ein Gemeinschaftsgefühl, die gesellschaftliche Zugehörigkeit unterstützt. Oft habe ich gehört, dass eine Verbundenheit zu Tieren besteht, soziale Aktivitäten und Berufe verfolgt werden und die Gefühle und Bedürfnisse von anderen Menschen wahrgenommen werden. Ich würde vielen UTS-Betroffenen auch eine hohe sozial-emotionale Kompetenz zusprechen. 

Bei Krümelie sehe ich das auch. Sie ist offen für zwischenmenschliche Aktivitäten, kann sich darauf einstellen und mitmachen. Mit ihren 2 Jahren und 8 Monaten äußert sich das, indem sie ihre Buddelsachen teilen und für sich beanspruchen kann. Ein trauriges Kind wird getröstet. Lacht und Schreit ein anderes Kind wird auch gerne mitgemacht. Fremde Personen werden mit Vorsicht, aber Interesse betrachtet. Vertraute Menschen werden mit Aufmerksamkeit bedacht und deren Bedürfnisse werden integriert. Zum Beispiel wird ihnen (gerne auch imaginäres) Trinken angeboten. 

Im Moment zeigt Krümelie viel Freude an Musik. Mit Papa hört sie sich ausdauernd verschiedene Richtungen an und die beiden "fachsimpeln" dann drüber, was gefällt und was nicht. Sie singt gern und oft schmunzeln wir über ihre eigenen Texte. Sie findet auch Opas Gitarre ganz prima und musiziert damit. 
Was meinen eigenen Interessen und Stärken entgegen kommt, ist ihre Begeisterung und Ausdauer für/ bei ihrem künstlerischen Ausdruck.


Das ist eine von Krümelies Lieblingsbeschäftigungen. Sie "scheibt".


Allgemein probiert sie sich mit Stiften, Stempeln, Farben, Papier, Schere und Kleber aus.


Die Kunstwerke oder beschriebenen Blätter finden dann ihren Weg an den Kühlschrank.

Sich auszudrücken, ob mit Gesang, Instrument oder Papier, Pinsel und Stift, dem inneren Erleben Ausdruck zu verleihen, ist doch sehr erstrebenswert. Auch einen Sport kann ich mir für Krümelie vorstellen.

Ich bin gespannt, wo sie ihren Schwerpunkt legen wird. Hauptsache sie findet eine Aktivitäten, die sie kontinuierlich und mit Begeisterung verfolgt. Wo sie Bestätigung und Halt erlebt. Sie soll etwas gut können und sich damit identifizieren.
Jeder sollte so etwas haben. Ja, wahrscheinlich werde ich besonders wachsame darauf achten, dass sie einem oder zwei Talenten intensiv nachgeht. Sie soll daran wachsen und nicht einfach aufgeben. Das klingt nach Druck und mütterlichem Leistungswillen. Doch ich sehe durch das UTS ein Risiko für Schwierigkeiten und Herausforderungen und ich will, dass Krümelie dafür Rüstzeug erhält. Und da denke ich schon: "von nischt kommt nischt". Aber schon allein die Gedanken darüber zeigen, dass wir sie nicht kopflos zu etwas Zwingen wollen. Also spitzen wir erstmal die Stifte an, drehen die Musik auf oder rennen zum Spielplatz.

Gutes Gelingen euch allen, die ihr eure Talente und Begabungen verfolgt.

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