Mittwoch, 4. März 2015

Die Pränataldiagnostik - ihr Nutzen - steht und fällt mit den Menschen

Immer wieder waren vorgeburtliche Tests und Untersuchungen, Diagnosestellung in der Schwangerschaft und der Umgang damit ein Thema für mich. Dies ergab sich nochmal verstärkt durch meine zweite Schwangerschaft und den überlegten Verzicht. Ich wollte nicht, dass unser Ungeborenes genauer untersucht wurde. Eine gute Entscheidung - für mich.

In der "Nachbearbeitung" - jetzt ohne Baby im Bauch - muss ich sagen, dass mein Blick auf die Dinge durch unsere Erfahrungen geprägt war/ist. Einseitig. In eine Richtung denkend. Kritisch.

Die Pränataldiagnostik ist natürlich mehr als hübsche D3-Bilder des Ungeborenen. Ein Baby mit gefundenem Herzfehler zum Beispiel kann unmittelbar nach der Entbindung versorgt werden. Für die Geburt wird dann eine spezielle Klinik aufgesucht. Das Personal dort wird dann unterrichtet, was zu schnellen Handlungen während und nach der Entbildung führt (führen sollte). Das ist gut und so kann durch die Diagnostik ein Leben gerettet werden.

Es gibt eben Vor- und Nachteile. Und jeder Mensch entscheidet, reagiert und handelt anders. Manch eine Schwangere ist vielleicht froh darüber, dass sie sich frühzeitig mit einer Diagnose auseinander setzen kann. So besteht die Möglichkeit sich vorzubereiten mit ganz konkreten Dingen. Es gibt zum Beispiel Hebammen, die sich auf die Betreuung von Familien mit behinderten Kindern spezialisiert haben. Diese kann dann - wegen der Feindiagnostik bzw. der Ergebnisse - kontaktiert werden und die Familie begleiten.

Ob sich eine Schwangere bzw. ein werdendes Elternpaar nun für oder gegen die vorgeburtlichen Kontrollmaßnahmen entscheidet, wichtig ist, dass ihnen dabei empathische Mediziner und Fachkräfte zur Seite stehen. Entscheidungen sollten mit vorheriger Information getroffen werden können.
Wie gesagt, die Pränataldiagnostik ist mehr als hübsche Bilder. Aber weiß das wirklich jedes Paar, was ungeduldig auf das Screening wartet? Die Frage ist dann auch, wie mögliche Auffälligkeiten und Konsequenzen mitgeteilt werden. Die Worte, die Mimik, das Einfühlungsvermögen des Mediziners, die Art und Weise, wie sich die Situation gestaltet, spielt eine enorme Rolle. Sie kann vielleicht über Leben und Tod eines Ungeborenen entscheiden. Nicht nur fachliche Aufklärung, sondern auch menschliche Beratung ist nötig. Qualifizierte, sich weiterbildende und einfühlsame Fachkräfte brauchen wir. Personal, das einfach Zeit hat einfühlsam auf die Bedürfnisse, Fragen und Situationen von werdenden und später auch frischgebackenen Eltern einzugehen, wäre das Optimum. Der Umgang mit einer Schwangeren mit gesundem Ungeborenen benötigt genauso Zeit und Aufmerksamkeit (nicht immer können Gedanken leichthin ausgesprochen werden - erstrecht nicht, wenn die Fachkraft gestresst oder abweisend wirkt), wie nötige auffangende Gespräche mit Eltern, die sich besonders Sorgen, um ihr Baby und sein Leben machen müssen.

Die Pränataldiagnostik - ihr Nutzen - steht und fällt mit den Menschen; mit freundlichen und fachkundigen Männern und Frauen.
Dies gilt für die ganze Thematik (Schwangerschaft, Geburt und Wochenbettzeit). Es braucht helfende Hände, ruhige und kluge Worte und Beistand. Da ist es egal, ob und in welcher Form die Pränataldiagnostik genutzt wurde.


1 Kommentar:

  1. Ich bin jetzt 60 Jahre alt, habe das Turner-Syndrom. Ich empfinde den Pränatest bzw. Panoramatest als diskriminierend. Er ist diskriminierend, weil sich niemand mehr Gedanken machen muss, wie Behinderte leben, wie unterschiedlich die Lebenswirklichkeit mit Down-Syndrom oder Turner-Syndrom sein kann. Es kann der Mensch mit Behinderung einfach aus dem Leben und den Köpfen selektiert werden. Das ist erschreckend. Erschreckend ist auch die Vorstellung, dasss es die großartigen Menschen mit Turner-Syndrom, die ich in der Turner-Syndrom-Vereinigung kennengelernt habe, zukünftig nicht mehr geben könnte, weil der Pränatetest rein selektive Absichten hat und die Selektion so einfach macht. Jetzt ist im Gespräch, dass gesetzliche Krankenkassen den Bluttest bezahlen sollen, weil er ethisch korrekt sei und weil es gut sei, früh Bescheid zu wissen. In der 9. Schwangerschaftswoche weiß man doch noch nichts von dem Zustand der Organe und man kann schon gar nicht therapieren. Diese Teste haben deswegen rein selektiven Charakter.

    Um so viel besser ist dieses Buch.

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