Mittwoch, 21. Januar 2015

Gedanken zur Namensvergabe

Warum ist es so schwer einen Namen auszusuchen? 

Unser ungeborenes Baby hat bisher noch keinen Namen. Zu Anfang hörten wir von verschiedenen Personen: "Ach ihr habt ja noch Zeit.". Ab der Hälfte der Schwangerschaft wurde uns versichert, dass wir uns schon noch einig werden würden. Zusätzlich folgte der Rat, dass wir uns das Geschlecht des Ungeborenen nennen lassen sollten, um die Namenswahl einzugrenzen. 
Mittlerweile ist der Termin mehr oder weniger in drei Tagen. Und wir? Wir konnten uns immer noch nicht entscheiden. Nun erklären die meisten Leute: " Oh, höchste Eisenbahn. Jetzt wird es aber Zeit. Habt ihr wenigstes ein Vorauswahl." Diese Äußerungen gehen einher mit Tips. Die Namen der Großväter oder persönliche Lieblingsnamen werden als Vorschläge unterbreitet. 

Einen Namen auszuwählen ist keine leichte Sache. Er wird das ganze Leben getragen. Es gibt Studien darüber, welche Assoziationen und Eigenschaften ein Name hervorruft. Der Klang, die Länge und die Bedeutung spielen eine Rolle. Wir wollen natürlich einen Namen, der zu unserem Nachnamen passt, eine zukunftsweisende Bedeutung hat, gut klingt und mit dem möglichst positive Eigenschaften verbunden werden.



Ohne Namen geht es nicht!


Auch wenn für uns die Namensvergabe eine große Herausforderung darstellt, wissen wir doch, dass sie unerlässlich ist. Jeder Mensch - ja jedes Ding - braucht einen Namen. Er prägt die Identität. Er bezeichnet. Er trägt dazu bei, die Welt oder sich selbst zu verstehen. Was ich benennen kann, kann ich einordnen und akzeptieren. 

Im Buch, im Blog und Allgemein spreche ich vom Ullrich-Turner-Syndrom. Für mich hat diese Chromosomenanomalie ihren Namen von (den Ärzten) Herrn Ullrich und Herrn Turner. Sie haben hingeschaut, geforscht, beschrieben und einfach zum Verstehen beigetragen. Sie haben dem unbenannten Unbekannten einen Namen gegeben. Sie haben Beide ihren Teil beigetragen.

Nur die Bezeichnung "Syndrom" stört mich. Lässt sie mich doch an geistige oder körperliche Grenzen, an Hilflosigkeit und Schmerzen denken. Keine Dinge, die ich mit meiner Krümelie oder anderen Mädchen und Frauen mit dem UTS verbinde oder verbinden möchte. 

Unser Baby wird einen Namen bekommen, damit es unser Baby wird und wir eine Verbindung schaffen. Es ist dann keine unbenannte Sache, sondern eine Persönlichkeit, die angenommen werden will. 

Diese Chromosomenveränderung, die Monosomie X oder auch jene "Symptomsammlung" hat den Namen Ullrich-Turner-Syndrom bekommen. Dieser Name, im Vergleich zu dem meines Ungeborenen, muss mir nicht gefallen. Er hilft mir aber trotzdem eine Verbindung herzustellen und die Auswirkungen anzunehmen. 

Zusagen - "Meine Tochter hat das Ullrich-Turner-Syndrom" - verbindet mich und sie auch mit anderen Mädchen und Frauen oder Eltern, weil wir wissen, was hinter der Bezeichnung stehen kann. 

Ein Name: Buchstaben mit großer Bedeutung.

Und wir entscheiden uns auch noch...

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